von Thomas Dallüge

Nachgedacht - Spuren der Dekonstruktion digitaler Zukünfte

von Thomas Dallüge

Autor: Thomas Dallüge, trinfactory

Datum: 03.07.2018

Rückblick auf die agile triple jump Konferenz “Dekonstruktion digitaler Zukünfte“ im Mai 2018

Mit etwas Abstand und angeregt durch die filmischen Impressionen zur Konferenz (siehe aktuellen Blog) rufen einige Gedanken kraftvoll nach Diskussion und Schärfung. Im Rahmen der zweitägigen Konferenz zur Dekonstruktion digitaler Zukünfte gab es verschiedene parallele Veranstaltungsreihen. Neben vielfältigen Workshopformaten bestand eine Reihe aus vier 90-minütigen Panelgesprächen, in denen Experten aus der Praxis sich und ihre Erfahrungen zur Diskussion stellten. Inhaltlich spannte sich der Bogen von der zukünftigen Entwicklung verschiedener Branchen, über die zukünftige Wertstiftung der HR-Funktion, über die Triebkräfte des Marketings bis hin zu Konsequenzen für Management und Beratung.  Folgende Aspekte, Gedanken und Provokationen, inspiriert durch die Panelgespräche, klingen in mir besonders nach:

  • Es gibt eine stabile, permanente, marktgetriggerte Verunsicherung in der Ausgestaltung zukünftiger Geschäftsmodelle. Und dies über Branchen hinweg und auf unabsehbare Zeit. In welcher Größenordnung, in welcher Geschwindigkeit und mit welchem Ausprägungsgrad sollte die digitale Transformation vorangetrieben werden? Wie bearbeiten Unternehmen das Spannungsfeld zwischen bisheriger nichtdigitaler und zukünftiger digitaler Wertschöpfung? Das Management dieses Spannungsverhältnisses mutet oft chaotisch an, verhält sich entgegen bisheriger Praktiken und erfordert von den verantwortlichen Führungskräften eine enorme Ambiguitätstoleranz.
  • HR ist im Tunnel. Eine sich selbst verstärkende Sinnkrise hat die HR-Funktion infiziert. Mit Blick auf die bisherigen Logiken und Wirksamkeiten, konfrontiert mit schwindender Bedeutung, pendelt die HR-Community zwischen Trauerarbeit und Barrikadenkampf. Parallel, und das ist bemerkenswert, entsteht ein HR-Verständnis, das hart am Business segelt, fokussiert auf businessgetriebene Kopplungsaktivitäten. Im Kern bedeutet dies die Suche, Einbindung und Entwicklung passender Personen. Klassische Personalmanagementaufgaben werden hingegen digital ausgelagert.
  • Markt treibt Unternehmensentwicklung. Wo es bisher im Marketing um eine Positionierung nach Außen ging, geht es zunehmend um die Entdeckung zukünftig möglicher Positionierungen/Wertschöpfungen im Markt. Damit bekommt die Marketingfunktion einen neuen Zuschnitt, wird markanter Partner für strategische Unternehmensfragen und steht vor der extrem herausfordernden Aufgabe, ein passendes Abbild für die Marktdynamiken in der eigenen Organisation zu kreieren. Ein weiteres Indiz dafür, dass die klassische Wertschöpfungskette ihre organisatorische Kraft zunehmend verliert.
  • Wedelt da gar ein Schwanz mit dem Hund? Folgt man verschiedenen Diskussionen in Management und Beratung und den darin formulierten Glaubensätzen so vermag es scheinbar menschliche Genialität soziale Evolution außer Kraft zu setzen. Mich erinnert diese Personenzentriertheit an den historischen Kampf für ein geozentrisches Weltbild oder an die Zeiten vom Sturm auf die Maschinen. In diesem Ausblenden unterschiedlicher Emergenzstufen liegt ein Risiko für die Entwicklungsfähigkeit von Organisationen und eine Ursache für die Überforderung von Menschen in den jeweils herausgehobenen Rollen. Gleichzeitig war viel Energie spürbar, als die Diskussionen sich mit zukünftigen Gesellschaften auseinandersetzten – dies reichte von postdigitalen Perspektiven bis hin zu Gesellschaften, die sich nicht um Arbeit organisieren. Es bleibt eine spannende Frage, welche Kräfte und Differenzangebote die zukünftige Gesellschaft auszeichnen werden und wie die Rolle von Organisationen als gesellschaftliche Akteure aussehen wird.
  • Die Geburtsstunde der Konferenz war im Mai 2016 und folgte dem Gedanken einer gemeinsamen CoCreation in der inhaltlichen Ausrichtung und der energetischen Aufladungen. Über ein Jahr und in drei Sprints gespickt mit zahlreichen Überraschungen, Erkenntnissen und neuen Wegen durfte sich die Konferenz in Form und Inhalt herausschälen. Im Ergebnis wurde die Konferenz zu einem wunderbaren Ort für experimentelle Formate und inspirierende Momente. Der Gemeinschaft der Teilnehmenden ist es gelungen einen offenen Austausch unabhängig von professioneller Herkunft und in freudvoller Multiperspektivität zu leben – wunderbar, gehaltvoll und nach Fortsetzung rufend…

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei allen Teilnehmenden und insbesondere bei unseren Panelgästen für ihr Engagement und ihre Mitwirkung bedanken: Lars Burmeister, GF Co[13] & Julia Culen, GF cmpartner & Alexandra Heinrichs, GF Unilever Deutschland & Simone Menne, AR BMW AG und Deutsche Post AG & Klaus Schwab, GF Plan.Net & Dr. Michał Sobótka, GF GWAdriga & Matthias Steinke SVP Marketing uberall.com & Michael Weber, Vorstand Blume 2000 New Media.

 

 

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