von Michael Stein

Agile Triple Jump Konferenz 2018 - Workshop Business Ecosystem meets Common Ground – ein Erfahrungsbericht

von Michael Stein

Business Ecosystem meets Common Ground ist ein Tool, dass wir für den Austausch und die Diskussion verschiedener Perspektiven auf Zukunft entwickelt haben. Ziel des Vorgehens ist es, neue und relevante Impulse für die strategische Positionierung zu generieren.

Das Tool fokussiert auf die Verbindung unterschiedlicher Perspektiven und macht diese erfahrbar. Sie ermöglicht die Verbindung von loser Koppelung mit gemeinschaftlicher Verantwortung, von Agieren als Einzelkämpfer mit gemeinschaftlichem Wirken, von aktuellem Zusammenspiel und zukünftigen Positionierungen. Gerade für die notwendige Strategiearbeit stellt dies eine deutliche Bereicherung dar und bietet in komplexen Umwelten mit ihren disruptiven Entwicklungen einen Zugang zu gemeinsamen Verständnis, Orientierung und Handlungsfähigkeit.

Im Rahmen der Agile Triple Jump Konferenz 2018 „Dekonstruktion digitaler Zukünfte“ boten wir in einem Workshop die Möglichkeit erste Erfahrungen mit dem  Tool zu sammeln. Gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus verschiedenen Beratungsprojekten sowie mit Kolleginnen und Kollegen aus der Beratungsbranche erprobten wir Kernelemente des Tools und diskutierten im Anschluss den Mehrwert und die Anwendungsoptionen für unser Tool.

Erfahrungsbericht

Im Zentrum wirtschaftlichen Handelns steht ein gesellschaftlicher Bedarf, der einen Mehrwert für spezifische Kundengruppen darstellt. In unserem Beispiel wählten wir für den Workshop das Thema „Mobilität in Berlin“. Diesen Mehrwert versuchen verschiedene Akteure auf ihre ganz eigene Art und mit ihren eigenen Produkten und Dienstleistungen zu realisieren.

Als Akteure traten Bus, S-Bahn, Car-Sharing-Anbieter, PKW Hersteller und viele mehr auf die Bühne. Wir visualisierten das Business Ecosystem (das Akteursnetzwerk rund um den Mehrwert „Mobilität in Berlin“) in Form einer Strukturaufstellung. Der Konkurrenzkampf wurde spürbar und der Mehrwert, die Mobilität in Berlin, fühlte sich in unserem Aufstellungsszenario sichtlich wohl. Es dauerte nicht lange, bis die Frage nach Optimierung auftauchte und die Akteure sich bezüglich des Mehrwerts und der anderen Akteure erneut ausrichteten. Ein Vorgehen, das den Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ihren Organisationsrealitäten durchaus bekannt war. In einem nächsten Schritt wurde die Aufstellung eingefroren. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer standen noch an ihren Positionen und der Grundgedanke des Common Ground wurde eingeführt.

„Wir sind alle gemeinsam für die Steigerung des Mehrwerts, für die Mobilität aller Bürger in Berlin, verantwortlich. Und nicht nur das, wir sind auch verantwortlich für das Wohlbefinden der anderen Akteure, unserer (ehemaligen) Wettbewerber. Wir alle ziehen an einem Strang für das Wohl des gemeinsamen Mehrwerts, der Mobilität in Berlin für alle Bürger.“

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ihren Rollen als Akteure rund um den Mehrwert sortierten sich entsprechend neu. Es war ein ungewohnter Perspektivwechsel  und bedurfte etwas Zeit, bis sich das Akteursnetzwerk rund um den Mehrwert neu ausgerichtet hatte. Ganz geheuer war es vielen noch nicht. Der aufgestellte Mehrwert, um den es primär ging, war ein wenig irritiert. Er bemerkte, dass die Akteure noch sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Eine ungewohnte Situation für alle Beteiligten. Nachdem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam den Perspektivwechsel von einem Ecosystem zu einem Common Ground vollzogen hatten, galt es die gemachten Erfahrungen zu reflektieren und  als konkrete Handlungsempfehlungen auszudrücken.

In unserem Praxisbeispiel entstanden so Empfehlungen an die Verkehrssenatorin von Berlin, die wir als Verantwortliche für die strategische Entwicklung ausgewählt hatten. Der PKW Hersteller gab im Sinne der Verbesserung der Mobilität für alle die Empfehlung, ihn endlich weniger zu fördern. Der S-Bahn-Betreiber kam genauso zu Wort, wie die Anbieter der Elektromobilität und der Sharing-Konzepte. Der Tenor war Vielfalt, Schnittstellenkompetenz und Kundennutzen, verbunden mit ganz konkreten Aktivitäten. So sollten mehr Fahrspuren für Taxi, (E-) Sharing-Anbieter und Fahrräder freigeben, E-Ladestationen für privaten Wohnraum gefördert und der öffentliche Nahverkehr drastisch vergünstigt und ausgebaut werden. Ebenfalls sollten alle Angebote der Akteure in einer! digitalen Plattform vernetzt sein, um den Bürgerinnen und Bürgern jederzeit verkehrsmittelübergreifende Angebote zur urbanen Mobilität zu liefern.

Im Anschluss legten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Akteursrollen ab und begannen mit einer gemeinsamen Reflexion des Perspektivwechsels. Einhellig stellte er für sie einen deutlichen Mehrwert dar. Neben dieser Eindrücklichkeit gab es viele Rückmeldungen zu Anwendungsmöglichkeiten in der strategischen Unternehmens-ausrichtung und in der Entwicklung von Funktionalstrategien: „Denken Sie hier nur an verschiedene Abteilungen eines Unternehmens, die gemeinsam einen Mehrwert verantworten und wirklich an einem Strang ziehen sollten.“

Mit unserem Workshop ist es gelungen, die Wirksamkeiten unseres Tools „Business Ecosystem meets Common Ground“ vorstellbar, erlebbar und übertragbar zu machen. Gleichzeitig sind wir dankbar für die hilfreichen und versierten Hinweise für weitere Ausgestaltung- und Anwendungsoptionen des Tools.

Aus diesem Grunde haben wir uns entschieden, diesen Diskurs weiter fortzusetzen und möchten Sie gern zu unserem Themenabend „Perspektive schafft Zukunft“ einladen. Gemeinsam mit Unternehmerinnen und Unternehmern sowie mit Führungskräften aus mittelständischen Unternehmen wollen wir diesen Perspektivwechsel nutzen, um neue Impulse für die unternehmerische Entwicklung anzuregen.

Themenabend „Perspektive schafft Zukunft“
Wo: trinfactory, Hufelandstr. 22, 10407 Berlin

Wann: 17.09.2018,  18.00 Uhr bis 22.00 Uhr